VoIP

Gefahr Stromausfall: Ohne Strom mit VoIP telefonieren

  • 15. Dezember 2017
  • VoIP
  • Erstellt von Melanie Heß

Was tun, wenn der Strom ausfällt und ich den Notruf wählen muss?

In Gefahrensituationen einen Notruf tätigen zu können scheint - zumindest in Ländern wie Deutschland - eine Selbstverständlichkeit zu sein. Doch bei der Umstellung von ISDN auf Voice over IP, also Telefonieren über das Internet, gibt es da ein Problem. Fällt nämlich der Strom aus, funktionieren Router und Telefone, die über ein Netzteil mit Strom versorgt werden, nicht mehr. Das bedeutet auch, dass keine Anrufe mehr ein- oder ausgehen können – Notrufe miteingeschlossen. Und auch Hausnotrufgeräte können davon betroffen sein. Anders als ISDN besitzt VoIP keine eigene Stromversorgung.

Hier erst einmal die Entwarnung: Oft passieren tut das nicht. Der Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) veröffentlicht jährlich eine Störungsstatistik. Aus dieser geht hervor, dass im Jahr 2015 die durchschnittliche Nichtverfügbarkeit des Stroms in Deutschland pro Stromkunde bei nur 11,9 Minuten lag. Das ist der niedrigste Wert in der Geschichte und zeigt wie zuverlässig das deutsche Stromnetz ist. Natürlich können 11,9 Minuten auch den entscheidenden Unterschied machen – doch auch dafür gibt es Lösungsansätze.

Die Telekom selbst versucht zum Teil auch Auswege aus so einer Situation bereitzustellen. So z.B. mit einer Sonderlösung für Kunden, die Ihren Anschluss nur zum Telefonieren nutzen. Laut Telekom Pressesprecher Niels Hafenrichter, wird in der Vermittlungsstelle eine Hardware-Komponente eingesetzt, die im IP-Netz einen analogen Anschluss simuliert. So können Kunden trotz Stromausfall mehrere Stunden lang telefonieren. In Deutschland ist allerdings kein Anbieter dazu verpflichtet, sich bei einem Stromausfall um die Übertragung von Notrufen zu kümmern. Das Telekommunikationsrecht enthält keine Vorgaben für diesen Fall, auch wenn es in der Vergangenheit Petitionen gegeben hat, die genau das einforderten. Solche Maßnahmen würden unter anderem auch hohe Kosten mit sich bringen.

Es liegt also an einem selbst, angemessen Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Für viele die einfachste Alternative: Das Handy, um im Ernstfall über das Mobilfunknetz Notrufe zu tätigen. Wer dabei sichergehen will, dass er dieses immer aufladen kann, sollte sich eine Powerbank oder ähnliches als Not-Akku zulegen. Wem das nicht sicher genug ist, oder wer kein Handy besitzt, kann mit Backup-Einrichtungen vorsorgen. Diese ermöglichen eine unterbrechungsfreie Stromversorgung, indem bei einem Ausfall innerhalb von Millisekunden auf einen Reserve-Akku umgeschaltet wird. Solche USV-Systeme werden z.B. in Krankenhäusern oder Rechenzentren verwendet, mittlerweile aber auch in kleinerer Ausführung in Büros oder im privaten Gebrauch. Kleinere Geräte erinnern optisch an Mehrfachsteckdosen und sie sind außerdem zu erschwinglichen Preisen verfügbar. Somit stellen sie eine gute Lösung für diejenigen dar, die dringend auf Telefonie bzw. Internet angewiesen sind. Alte oder kranke Menschen, die einen Hausnotrufgerät haben, sollten ebenfalls Rücksprache über eine solche Notfallsituation halten. Meist kann auch hier über Reserve-Akkus und integrierten Mobilfunk Abhilfe geschaffen werden.

Nutzer einer VoIP Telefonanlage aus der Cloud müssen sich ebenfalls keine Sorgen machen. Im Gegensatz zu stationären Telefonanlagen vor Ort, die von der Stromversorgung abhängig ist und bei der auch mal etwas verloren gehen kann, wenn der Strom ausfällt, ist die Cloud-Telefonanlage in Rechenzentren gehostet und somit ausfallsicher. Fällt bei Ihnen vor Ort der Strom aus, können Anrufe über Ihr VoIP-Endgerät zwar nicht mehr eingehen, haben Sie jedoch alternative Wege für die Internetversorgung (zum Beispiel mobiles Internet über das Smartphone), so können Sie Ihr Smartphone via App als Endgerät einbinden und normal weiter telefonieren. Oder aber Sie richten direkt eine „Fallback-Lösung“ ein, bei der Anrufe direkt auf eine andere Rufnummer (beispielsweise Ihre Mobilnummer) weitergeleitet werden, wenn das VoIP-Endgerät, zum Beispiel aufgrund des Stromausfalls, nicht erreichbar ist.