VoIP

Telefonanschluss gekündigt – was nun?

  • 13. März 2015
  • VoIP
  • erstellt von Wolfram Lüders

ISDN geht - VoIP kommt

Die Ära des klassischen ISDN-Netzes neigt sich dem Ende zu. Das birgt für Unternehmen, die auf eine funktionierende Telefonieinfrastruktur angewiesen sind, jede Menge Ärger, aber auch einige Chancen. Denn bei einer klugen Umstellung lässt sich jede Menge Geld einsparen.

Es ist das Ende einer Ära. Das ISDN-Netz, Inbegriff eines seit den neunziger Jahren bestehenden Telefoniestandards, der für Qualität und Zuverlässigkeit stand, wird in den kommenden Jahren abgeschaltet. Die Umstellung ist bereits in vollem Gange. Der Marktführer, die Deutsche Telekom, hat sich zum Ziel gesetzt, bis Ende 2018 das gesamte deutsche Telefonnetz, also ISDN und die alten analogen Anschlüsse auf IP-Technologie umzustellen. Laut dem IT-Nachrichtenportal golem.de wurden in Deutschland bereits rund 3,5 Mio. Kunden auf die zukünftige Technologie umgestellt (siehe diesen Artikel). In diesem Zusammenhang häuften sich im Herbst vergangenen Jahres bereits die Meldungen über angedrohte Zwangskündigungen, sehr zum Ärger der überraschten Kunden. Zwar ruderte die Telekom zurück und erklärte, vor 2017 keinen Anschluss zu kündigen (siehe hierzu diesen Artikel), jedoch ist die Verunsicherung groß, denn insbesondere für Unternehmen, welche über Telefonanlagen verfügen, die auf ISDN basieren, ändert sich einiges.

Im Folgenden soll daher anhand eines Beispielszenarios erläutert werden, was für Möglichkeiten sich einem kleinen, mittelständischen Unternehmen mit 30 Mitarbeitern bieten, um aus dieser Situation das Beste zu machen und dabei auch noch eine Menge Geld einzusparen.

Bisherige Kosten

Das Beispielunternehmen bezog seine bisherigen Leistungen von einem großen deutschen Telekommunikationsunternehmen. Die angefallenen Kosten unterteilten sich in Grundentgelte und nutzungsabhängige Entgelte (einmalige Einrichtungsentgelte, die zu Beginn des Gebrauchs einer solchen Anlage angefallen sind, sowie eventuelle zusätzliche Kosten, etwa für das Leasing von Telefonen, sollen hier vernachlässigt werden). Die Grundentgelte umfassten monatlich rund 250 Euro für die Miete der Telefonanlage und weitere 128 Euro Telefonanschlussgebühren. Hinzu kamen 200 Euro für den Internetanschluss, insgesamt also rund 580 Euro. An nutzungsabhängigen Entgelten fallen 13,46 Cent pro Minute für Anrufe in deutsche Mobilfunknetze an, während Festnetzgespräche durch eine Flatrate abgedeckt sind.

Die neuen Optionen: Voice over IP (VoIP)

Nach Wegfall des ISDN-Netzes stehen dem Unternehmen nun zwei Optionen offen, das SIP-Trunking und die virtuelle Telefonanlage: Beide haben gemein, dass sie auf IP-Telefonie basieren. Der Begriff IP-Telefonie (Abkürzung für Internet-Protokoll-Telefonie) oder auch Voice over IP bezeichnet die Sprachübertragung über das Internet und wird umgangssprachlich auch als "Internet-Telefonie" bezeichnet.

Variante 1: SIP-Trunking

Sofern die bereits im Unternehmen befindliche Telefonanlage VoIP-fähig ist (andernfalls kann die Anlage auch mittels eines Adapters in einen VoIP-fähigen Zustand versetzt werden), besteht die Möglichkeit, einen so genannten SIP-Trunk davor zu schalten und die bestehende Telefonanlage weiterhin zu nutzen. SIP-Trunking bezeichnet dabei die technische Möglichkeit, über einen einzigen Zugangsaccount mehrere Rufnummern zu verwalten und gleichzeitig beliebig viele Gespräche von unterschiedlichen Endgeräten mit eigener Rufnummer von einem Account zu führen.

Hinsichtlich der Kosten ist auch hier zwischen Grund- und nutzungsabhängigen Entgelten zu unterscheiden. Die Grundentgelte  betragen üblicherweise zwischen einem und zwei Euro pro Kanal. Hinzu kommen die Kosten für die Telefonanlage (250 Euro aus obigem Beispiel), sowie weitere 99 Euro für einen leistungsfähigen Internetanschluss. Die bisher verwendeten Telefone können dabei unter Umständen weiter verwendet werden. An verbrauchsabhängigen Entgelten sind Telefoniekosten in Höhe von einem Cent pro Minute ins deutsche Festnetzt bzw. 9,9 bis 12,9 Cent ins deutsche Mobilfunknetz zu nennen. Ein Mindestumsatz muss bei den meisten Anbietern nicht erfolgen.

Variante 2: die virtuelle Telefonanlage

Eine weitere Möglichkeit besteht in der Umstellung auf eine so genannte virtuelle Telefonanlage. Virtuelle Telefonanlagen (oder auch hosted PBX genannt)  ermöglichen es Unternehmen, ihre Telefonieinfrastruktur komplett ins Internet zu verlagern. Dies bedeutet, dass  eine Telefonanlage, anstelle im Unternehmen existierender Hardware, auf Basis von Softwarekomponenten aus Rechenzentren über das Internet bereit gestellt wird. Durch diese so genannte cloudbasierte (engl. für Wolke) Technologie bietet eine solche Anlage ihren Nutzern höchste Flexibilität. So können alle Mitarbeiter von überall aus voll auf alle Funktionen der Anlage zugreifen. Außerdem müssen nur so viele Nebenstellen bezahlt werden, wie tatsächlich benötigt werden. Überhaupt ist die virtuelle Telefonanlage unter Kostengesichtspunkten in vielen Fällen die ideale Lösung: So entfallen sämtliche Aufwendungen für Hardware und langjährige Wartungsverträge (die Kosten für das ISDN-Netz ohnehin).

Kosten fallen lediglich für einen leistungsstarken Internetanschluss an. Für größere Unternehmen wird dabei ein SDSL- (Symmetric Digital Subscriber Line) Anschluss empfohlen, der die gleiche Upload- und Download-Bandbreite hat. Für kleinere Unternehmen hingegen reicht auch ein ADSL- (Asymmetric Digital Subscriber Line) Anschluss aus. Generell gilt, dass für ein Telefonat etwa 100 KBit/s Bandbreite verfügbar sein sollten.

Die Kosten einer virtuellen Telefonanlage setzen sich aus Einmalentgelten, Grundentgelten und verbrauchsabhängigen Entgelten zusammen. In unserem Beispiel sähen die Kosten für eine virtuelle Telefonanlage wir folgt aus: Für 30 Mitarbeiter fallen zum einen 30 direkt zugeordnete Rufnummern an. Hinzu kommen 2 Nummern für zentrale Faxgeräte und 2 Nummern für virtuelle Konferenzräume. Das macht insgesamt 34 Rufnummern. Außerdem reserviert sich das Unternehmen, weil es mit einem starken Wachstum innerhalb der nächsten Jahre rechnet, 20 weitere Rufnummern. Dadurch stellt es sicher, dass es auch in Zukunft durchgängige Rufnummern an seine Mitarbeiter vergeben kann.

Einmalentgelte: Das Unternehmen zahlt eine einmalige Einrichtungsgebühr in Höhe von rund 30 Euro. Weiterhin möchte es sicherstellen, dass die ihm zugewiesenen Rufnummern fortlaufend sind. Es bucht daher die Option fortlaufender Rufnummern für ebenfalls einmalig 10 Euro. Für die Reservierung zweier (ebenfalls fortlaufender) Rufnummernblöcke mit jeweils 10 Nummern für die Zukunft zahlt das Unternehmen zusätzlich je 20 Euro, also weitere 40 Euro (was nicht für die Portierung von Rufnummernblöcken gilt). Eine weitere Gebühr für die Einrichtung jeder Rufnummer oder des Accounts (oder die Option der Konfiguration der Telefone), wie sie bei manchen Anbietern üblich ist, wird hier außen vor gelassen.

Grundentgelte: Zwar gibt es bei den meisten Anbietern ein Einsteigerpaket, das keine Grundgebühren kostet, doch bieten diese keine vollumfänglichen Leistungen und nur eine begrenzte Anzahl an Rufnummern. Es soll also hier von einer vollwertigen Lösung ausgegangen werden, die mindestens die gleichen Leistungen aufweist, wie eine klassische, analoge Telefonanlage. Hierbei fallen pro Rufnummer zwischen 3 und 8 Euro an. Für gewisse Funktionen können weitere 1 bis 2 Euro zusätzlich anfallen.

Verbrauchsabhängige Entgelte: Die Kosten für die Telefonie werden pro Minute abgerechnet. Eine Minute kostet dabei circa 1 Cent ins deutsche Festnetz und zwischen 9,9 und 12,9 Cent in die deutschen Mobilfunknetze. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, eine Flatrate (circa 4 – 10 Euro) zu buchen. Der Festpreis für eine Flatrate gilt dabei immer pro Rufnummer.

Internetanschluss: Zusätzlich zu oben anfallenden Kosten fallen weitere Kosten in Höhe von 99 Euro für einen leistungsfähigen Internetanschluss an.

Alles in allem kann man bei einer virtuellen Telefonanlage für 30 Mitarbeiter von monatlichen Kosten in Höhe von rund 260 Euro ausgehen. Hinzu kommen allerdings Kosten für IP-fähige Telefone, sofern diese noch nicht vorhanden sind.

Fazit

Beide Varianten, das SIP-Trunking und die virtuelle Telefonanlage weisen deutlich geringere laufende Kosten auf, als eine klassische Telefonanlage. Allerdings sollte für das SIP-Trunking bereits eine Telefonanlage vorhanden sein, für die keine weiteren Kosten mehr anfallen. Doch selbst mit diesen Kosten ist die Lösung immer noch billiger, als die bisherigen, ISDN-basierten Telefonanlagen.