05. Oktober 2018     Erstellt von Jennifer Klöckner     Arbeitsleben

Home Office: Wo fleißig sein einfach ist

Das Home Office. Auch Heimarbeitsplatz, Telearbeitsplatz oder Teleheimarbeit genannt, ist eine recht neue Errungenschaft der Arbeitswelt. Durch die Digitalisierung und die Verbreitung von Computern, Breitbandinternet und Cloud-Diensten möglich gemacht, bieten immer mehr Arbeitgeber diese Form des Arbeitens an. In den Niederlanden haben Arbeitnehmer seit dem 1. Januar 2016 sogar einen Rechtsanspruch (mit Bedingungen) auf das Arbeiten im Home-Office. In Deutschland sind wir in dieser Hinsicht noch nicht ganz so fortgeschritten: Laut Bundesministerium für Arbeit und Soziales bieten nur 23 % der Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern die Möglichkeit zur Heimarbeit.

Vorurteile: Home Office lädt zum Faulenzen und Prokrastinieren ein

Das hat sicherlich mehrerlei Gründe: Neben Sicherheitsbedenken, fehlenden Möglichkeiten zum Fernzugriff auf nötige Daten (gerade großen Unternehmen unterstellt man einen Digitalisierungs-Widerwillen) und der Ansicht, die Kommunikation unter den Kollegen leide durch Tele-Worker, bestimmt ein Vorurteil die Sichtweise auf die Teleheimarbeit: Home Office lädt zum Faulenzen, Prokrastinieren und Binge-Watchen der Lieblingsserie auf Netflix ein. Kurzum: Ein Urlaubstag unter dem Radar. 

Wer hätte es gedacht? Studie belegt: Home Office macht produktiver!

Doch so ist es nicht. Das belegt eine Studie der Universität Stanford unter Leitung des Wirtschaftswissenschaftlers Nicholas Bloom. Um herauszufinden, ob die Home-Office-Mitarbeiter das Vertrauen des Arbeitgebers und die mangelnden Kontrollmöglichkeiten wirklich missbrauchen (wie es die Ansicht vieler Arbeitgeber zu sein scheint), startete Professor Bloom in Zusammenarbeit mit dem chinesischen Reiseportal CTrip einen Versuch zum Home Office. 249 Mitarbeiter wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen aufgeteilt: 9 Monate lang arbeitete die Hälfte der ausgewählten Angestellten 4 Tage im Home Office. Der 5. Tag wurde im Büro zugebracht. Die Kontrollgruppe verbrachte alle 5 Tage im Büro. 

Das Ergebnis: Die Leistung der Home-Office-Gruppe stieg um 13 %. Gründe dafür waren: Sie meldeten sich weniger krank, machten weniger Pausen und nahmen mehr Anrufe pro Minute entgegen als im Büro. Zudem sank die Fluktuation im Vergleich zur Kontrollgruppe um 50 %, da die Arbeit den Tele-Mitarbeitern mehr Spaß machte. 

Hinzu kommen weitere Vorteile, die auf der Hand liegen: Ohne die typischen Büro-Geräusche, wie Gespräche, Telefonate und anderen Lärm durch Kollegen, hat man mehr Ruhe, Konzentrationsarbeiten zu erledigen. Zudem ist die Zeiteinteilung flexibler und organischer. Die Arbeit passt sich dem Selbst an und wird so produktiver.

Auch, wenn die Couch, der Fernseher und die Familie Ablenkungen bringen können und ein hohes Maß an Selbstdisziplin vonnöten ist, zeigt die Erfahrung jedoch, dass die meisten Mitarbeiter im Home Office mehr arbeiten und eher vorsichtig sein müssen, die Balance nicht zu verlieren, um zu beweisen, dass sie dem Vorurteil nicht entsprechen.

Hinzu kommt, dass viele Angestellt eine große Dankbarkeit entwickeln, wenn Sie im Home Office arbeiten können. Viele hält dies laut Bloom von einer Kündigung ab, etwa, wenn das Pendeln im öffentlichen Nahverkehr oder mit dem Auto lange und anstrengend ist.

Nachteile im Home Office: Sichtbarkeit durch Anwesenheit 

Leider bringt das Home Office aber auch Nachteile mit sich, insbesondere für die Mitarbeiter. Denn obwohl diese mehr leisteten, als die Dauer-Anwesenden, wurden Sie in den 9 Monaten der Studienzeit seltener befördert. Zudem entschieden sich einige der Studienteilnehmer im Home Office dafür, wieder mehrere Tage im Büro zu verbringen. Neben der Angst, übergangen zu werden, berichteten viele von einem Gefühl der Isolation. 

Home Office: Hop oder Top?

Die Studie zeigt: Das Home Office führt zu einer signifikant höheren Produktivität und Zufriedenheit der Mitarbeiter. Unternehmen sollten also ihre Vorbehalte und ihr Kontrollbedürfnis hintenanstellen und den Angestellten mehr Vertrauen zubilligen. Sie werden es ihnen danken. Immerhin zeigen weitere Studien: Anwesenheit ist nicht gleich Produktivität.

Natürlich ist ein wenig Selbstdisziplin vonnöten. Nicht jeder „kann“ Home Office. Doch in den meisten Fällen führt dies zu einer Win-Win-Situation für Unternehmen und Mitarbeiter. 

Jedoch hat sich auch gezeigt: Dauerhaft allein Zuhause hocken macht auch nicht glücklich. So kommt auch Professor Bloom zu dem Schluss, dass eine Mischform aus Präsenz-Arbeit und Home Office für alle die beste Lösung ist. Diese Erfahrung hat wohl jeder, der schon einmal im Home Office arbeitete, bestimmt schon selbst gemacht. 


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