Netze

BREKO-Handelsplattform: Endlich Glasfaser für alle?

  • 01. Juni 2017
  • Netze
  • Erstellt von Jennifer Klöckner

BREKO-Handelsplattform soll Glasfaser-Ausbau beschleunigen

Der Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO) startet ab Juli eine Handelsplattform für Netzbetreiber. Bei dieser Plattform werden Netzbetreiber und Internet-Serviceprovider zusammengebracht, um bereits verlegte Glasfaser-Anschlüsse einfacher vermitteln zu können und so den Ausbau von Glasfaser-Anschlüssen (FTTH/FTTB) zu beschleunigen.

In Deutschland gibt es über 100 lokale sowie regionale Netzbetreiber. Diese erschließen in ihrer Region mal mehr, mal weniger Haushalte mit Glasfaser. Diese Infrastruktur ist für Endkunden dann nur über den regionalen Anbieter selbst buchbar.

Natürlich besteht auch jetzt schon die Möglichkeit, dass überregionale Serviceprovider die Glasfaser-Leitungen bei den entsprechenden Netzbetreibern mieten und den Kunden so über ihre eigene Marke anbinden, so wie es bei der Telekom und anderen Anbietern oftmals der Fall ist. Dazu sind jedoch eigene Verträge und Schnittstellen zwischen den Partnern erforderlich, was bei dieser heterogenen Anbieter-Struktur meist nicht lohnenswert ist. So kommen diese Partnerschaften aufgrund des Aufwands der zahlreichen Einzellösungen oftmals nicht zustande.

Hier will der BREKO mit der Handelsplattform unterstützend wirken: Er entwickelte die Handelsplattform auf Basis von branchenüblichen Standards und Schnittstellen und möchte Vorverträge verhandeln, um einen Ausgangspunkt zu schaffen und Zeit beim Aushandeln und Prüfen der Verträge und Spezifikationen durch die Anbieter zu sparen. Sollten diese Verträge jedoch nicht ausreichend sein, so können die Betreiber natürlich selbst verhandeln. Standardpreise sieht der BREKO nicht vor.

Der BREKO stellt die Plattform auf Basis von zwei verschiedenen Open Access Handelsplattformen zur Verfügung: Vitroconnect und 1&1 Versatel fungieren hier als Vorlieferanten. So wird eine vereinfachte Plattform geboten, die zwar nicht alle Optionen und Schnittstellen abbildet, aber insbesondere kleineren Netzbetreibern den Zugang vereinfachen soll.

Mit der Handelsplattform soll das Mieten der Glasfaser-Leitungen für die Serviceprovider und Netzbetreiber vereinfacht und so lohnender werden. So können auch Kunden die Verfügbarkeiten der Glasfaser-Leitungen über Ihren gewünschten Anbieter einsehen und buchen, ohne dass sie wissen, von wem die Leitung gelegt wurde. Der Anbieter zahlt dann ein Nutzungsentgelt an den Netzbetreiber. So erhöht sich die Auslastung der Glasfaser-Leitungen und der Glasfaser-Ausbau kann sich schneller lohnen. Ein weiterer Vorteil: Vertragsbeziehungen zwischen Kunden und Serviceprovidern können auch bei Umzügen bestehen bleiben, denn die Leitungen können einfach durch letzteren angemietet werden. 

Zum Start der Plattform im Juli sind Anbieter, wie 1&1 Versatel, easybell, Telefonica, Vodafone und EWE Tel beteiligt. Im BREKO-Verband befinden sich außerdem mehr als 160 Mitglieder, die möglicherweise auch durch den BREKO angesprochen werden. Dieser betont jedoch, dass auch Nicht-Mitglieder beteiligt werden soll und geht aktiv auf diese zu. So wurde auch die Telekom eingeladen, sich an der Handelsplattform zu beteiligen.

Hilft die Plattform also dabei, den Glasfaser-Ausbau zu beschleunigen? Kritiker meinen, dass die Hürden für kleine Netzbetreiber nach wie vor sehr hoch sind, sich an der Plattform zu beteiligen. Wie die Chancen stehen, wird daher er ist Nachhinein ersichtlich sein.