20. November 2017     Erstellt von Melanie Heß     Netze

Breitbandausbau: Ist Glasfaser wirklich die beste Wahl?

Förderungen stehen - ändern wird sich nichts

Schnelleres Internet in ganz Deutschland - das ist das Ziel des Breitbandausbaus. Die von der Bundesregierung initiierte „Netzallianz Digitales Deutschland“ errechnete bis 2025 einen öffentlichen Finanzierungsbedarf in Höhe von 20 Milliarden Euro, um überall ein hochleistungsfähiges Breitbandnetz zu ermöglichen.

Klingt erstmal gut oder? Bei genügend Menschen sind hohe Bandbreiten gar nicht verfügbar, besonders ärgerlich ist das, wenn man trotzdem eine Menge dafür zahlt. Der „Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB)“ fürchtet allerdings, dass sich daran an manchen Orten so schnell nichts ändern wird. Schuld daran sei der einseitige Ausbau nur durch Glasfaser. DStGB-Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg fordert eine Kombination aus Festnetz und Mobilfunk mit Standard 5G. So soll nicht nur an der Hochgeschwindigkeit gearbeitet werden, sondern an einer flächendeckenden Versorgung.

Ländliche Regionen werden durch den Glasfaserausbau benachteiligt

In den laufenden Jamaika-Sondierungen von CDU/CSU, FDP und den Grünen wurde nun angekündigt, dass in Zukunft nur noch der Glasfaserausbau gefördert werden soll. Man gehe dadurch aber die Gefahr ein, dass erstmal nur wirtschaftlich lukrative Gebiete von dem schnellen Netz profitieren, so Landsberg. Um auf diese Weise flächendeckend Breitband auszubauen könnte seiner Schätzung nach mindestens 15-20 Jahre dauern. Gerade ländlich gelegene Haushalte müssen so wahrscheinlich sehr lange auf eine schnellere Internetverbindung warten.

Schnelles Internet gerade für Unternehmen überlebenswichtig

Nicht nur für den privaten Gebrauch ist eine gute Anbindung an das Internet nötig. In unserer fortschreitend digitalisierten Welt ist es auch in Unternehmen ein nicht zu vernachlässigender Wirtschaftsfaktor. Aber gerade das könnte zum Problem werden. Laut Landsberg würde durch den Glasfaserausbau die „digitale Spaltung“ verstärkt werden. Das wirtschaftliche Wachstum in großen Städten würde vorangetrieben, kleinere Orte abgehängt werden. Es könnte sogar zu einer verstärkten Abwanderung von Unternehmen in Gebiete mit einer besseren Infrastruktur kommen, damit diese ihre Konkurrenzfähigkeit aufrechterhalten können. So kann es unter Umständen zu einer erhöhten Arbeitslosigkeit aufgrund fehlender Arbeitsplätze in der Region führen oder aber auch zur Abwanderung der Anwohner in Regionen mit besserer Arbeitsplatz-Perspektive.

Ein großes Problem für den Breitbandausbau in kleinen Orten: Es muss ein hoher finanzieller Aufwand betrieben werden, dafür werden nur sehr wenige Haushalte versorgt. Deshalb sieht der Deutsche Städte- und Gemeindebund 5G als Alternative, um den Fortschritt schneller voranzutreiben.