27. Oktober 2022 (aktualisiert am 06. November 2022)      Erstellt von Niklas Eckert     Lesenswert

Dark Patterns - wie das Web Sie manipuliert

Dark Patterns, zu deutsch „dunkle Muster“, finden sich in vielen Bereichen der digitalen Welt, wie zum Beispiel auf Websites oder in Apps. Dabei handelt es sich um Designs oder Prozesse, die Nutzer manipulieren sollen, um sie so zu einer bestimmten Handlung zu bewegen.

Die Funktionsweise von Dark Patterns

Bei Dark Patterns steht weniger der Nutzen beziehungsweise das Interesse des Nutzers im Vordergrund als der Vorteil des Anbieters. Speziell wenn Nutzer häufiger im Web unterwegs sind, prägen sie sich gewisse Muster in den Designs der Websites oder Apps ein. Dadurch formen sich auf Seiten des Nutzers gewisse Verhaltensmuster, wenn er eine neue Website besucht, geknüpft an die Erwartungen, was bestimmte Aktionen seinerseits auslöst. Diese hängen von den entsprechenden früheren Erfahrungen ab.

An dieser Stelle setzen Dark Patterns an. Diese machen sich auf der einen Seite die Verhaltensmuster zu nutzen, um so bestimmte Aktionen der Nutzer auszulösen, die von diesen gar nicht gewollt sind. Auf der anderen Seite sollen sie verhindern, dass User eine Aktion durchführen, zum Beispiel die Kündigung eines Abos.

Welche Dark Patterns gibt es?

Es gibt viele verschiedene Arten, die User Experience einer Website oder einer App so zu gestalten, dass sie die Nutzer zu einer bestimmten Handlung verleitet oder sie verhindert. Der UX-Experte Harry Brignull informiert auf seiner Webseite darkpatterns.org über die verschiedenen Dark Patterns und wie sich diese erkennen lassen. Die folgende Kategorisierung gibt einen Überblick über beliebte Dark Patterns:

Typen von Dark Patterns
KategorieTypBeschreibung
Druck



Scarcity (Knappheit)Die Anzahl der verfübaren Produkte oder Dienstleistungen wird angezeigt und appelliert somit an die Nutzer, schnell zuzuschlagen. Die Angaben können stimmen, können jedoch auch nicht wahrheitgemäß eingesetzt werden.
CountdownCountdowns erwecken den Eindruck, dass ein Produkt, eine Dienstleistung oder ein Angebot nur noch für eine begrenzte Zeit verfügbar ist. Wie die Knappheit sind auch diese Angaben nicht immer wahrheitsgemäß.
Nagging (nerven)Die Ablehnung einer bestimmten Handlung ist nur zeitlich begrenzt möglich, sodass man wiederholt dazu aufgefordert wird.
Forced Enrollment (aufgezwungene Registrierung)Die Registrierung/Anmeldung ist zwingend notwendig, um eine bestimmte Aktion durchzuführen.
Behinderung

Roach Motel (Schaben-Falle)Dem Nutzer wird es sehr einfach gemacht, in eine bestimmte Situation zu kommen. Jedoch ist es schwierig, aus dieser wieder herauszukommen. Ein beliebtes Beispiel sind Abo-Modelle.
Price Comparison Prevention (Preisvergleich-Verhinderung)Der Händler erschwert einen Preisvergleich und somit eine informierte Entscheidung. Dies kann durch unterschiedliche Mengenbezeichnungen oder Währungen geschehen.
Nutzeroberflächen-Beeinträchtigung/ Irreführung




Hidden InformationRelevante Informationen sind nur schwer zu erkennen oder aufzufinden, zum Beispiel durch kleinen Text oder Platzierung in komplexen Strukturen wie Untermenüs.
Trick QuestionsVor allem in Formularen werden Trickfragen genutzt, die sich die Angewohnheit von Nutzern zum Vorteil machen, die Sätze nur zu überfliegen. So sagen die Sätze oft das Gegenteil von dem aus, was die Nutzer im ersten Moment denken.
Disguised AdsDie Werbung erscheint wie ein reguläres Inhalts- oder Steuerungselement einer Seite, um Nutzer zu einer Interaktion zu bewegen.
Click FatigueDie Klickwege für die Nutzer zu bestimmten Optionen sind unterschiedlich lang, sodass sie häufig zu der bequemeren Variante tendieren. Ein beliebtes Beispiel sind Cookie-Einstellungen.
PreselectionBei einer Auswahlmöglichkeit ist eine Voreinstellung gesetzt, die das Unternehmen begünstigt.
Schleicherei

Forced Continuity (erzwungene Verlängerung)Das Forced Continuity Pattern führt dazu, dass Leistungen unerwünscht verlängert werden, zum Beispiel ein zuvor kostenfreies oder günstiges Abonnement.
Hidden Cost (versteckte Kosten)Bestimmte Zusatzkosten, wie zum Beispiel Zahlungsmethoden, Versand oder Steuern, erscheinen erst in einem späten Schritt des Bestellprozesses.
Sneak into Basket (Warenkorb-Trick)Ein Artikel wird während des Bezahlvorgangs im Warenkorb platziert, ohne dass der Nutzer diesen dort bewusst platziert hat.

Wie gegen Dark Patterns vorgegangen wird

Wenn man sich die beispielhaft genannten Dark Patterns ansieht, so ist wohl jeder Nutzer schon dem ein oder anderen Trick begegnet und hat womöglich sogar eine Aktion aufgrund dessen getätigt. Entsprechend werden von Usern aber auch politischen Verantwortlichen Forderungen laut, um die Nutzung von Dark Patterns zu regulieren.

An bestimmten Stellen werden somit entsprechende gesetzliche Vorgaben zugunsten der Nutzer eingeführt. Ein aktuelles Beispiel ist die seit dem 1. Juli 2022 geregelte Pflicht zu einem Kündigungsbutton auf Webseiten oder Apps, der den Nutzern die Kündigung erleichtern soll. Dadurch soll vor allem Dark Patterns wie das Roach Motel verhindert werden, die eben diese zum Teil erheblich erschweren.

Wie Sie sich vor Dark Patterns schützen können

Solange Dark Patterns nicht umfassend reguliert werden, begegnen sie Nutzern im Internet immer wieder. In erster Linie hilft nur sich zu informieren, auf welche Art und Weise die Aktionen und das Verhalten von Nutzern im Web beeinflusst werden kann und sich dort mit einem entsprechend offenen Auge zu bewegen.

Entsprechend empfiehlt es sich, nicht immer nur auf die Intuition zu vertrauen, sondern lieber zweimal hinzuschauen, was für eine Aktion man gerade durchführt, vor allem in Kaufprozessen, aber auch bei Klicks auf Buttons und Checkboxen.

Zudem haben Nutzer die Möglichkeit, Dark Patterns beispielsweise bei der Verbraucherzentrale zu melden beziehungsweise eine Beschwerde einzureichen.

Umfassendere Informationen zu Dark Patterns inklusive konkreter Beispiele bietet neben der englischsprachigen Seite von Brignull unter anderem auch das Dark Pattern Detection Project in deutscher Sprache.


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