07. März 2018     Erstellt von Melanie Heß     VoIP

Was ist IP-Telefonie?

VoIP: Ihr Guide zum Telefonieren über das Internet

Die Digitalisierung bringt immer mehr Technologien hervor, die alltägliche Situationen erleichtern oder Arbeitsvorgänge effizienter machen können. Eine dieser Entwicklungen ist die IP-Telefonie. Durch Ihre zahlreichen Vorteile hat sie das Potenzial die Zukunft der Telefonie entscheidend zu verändern. Deshalb finden Sie nachfolgend alle wichtigen Informationen zum Thema und die Erklärung einiger zentraler Begriffe.

VoIP / Internettelefonie / IP-Telefonie – viele Begriffe, eine Bedeutung

Ob über VoIP, Voice Over IP, Internettelefonie oder IP-Telefonie gesprochen bzw. geschrieben wird – gemeint ist immer dasselbe. Nämlich: Die Telefonie über die Internetleitung. Lassen Sie sich also nicht von den verschiedenen Begrifflichkeiten verunsichern, Sie können diese synonym verwenden.

Ein wenig anders verhält es sich mit dem Begriff „ALL-IP“, den die Telekom maßgeblich geprägt hat. Durch die Abschaltung von ISDN verlagert sich die Telefonie auf die Internetleitung bzw. auf das „Internet Protocol (IP)“. Aber das ist nicht das einzige: Viele unterschiedliche Datenströme werden nun über das Internet versendet und empfangen - das meint „ALL-IP“. Dass die Telefonie ins Internet verlagert wird, ist nur eine Komponente von „ALL-IP“.

Was ist IP-Telefonie?

Bei der IP-Telefonie oder auch Voice over IP (VoIP) wird nicht mehr klassisch über einen Telefonanschluss telefoniert, sondern über einen DSL-Anschluss. Durch das Umwandeln von Sprachsignalen und das Übertragen dieser über ein IP-Netzwerk kommt ein Telefongespräch zustande. Grundlage dessen ist das Session Initiation Protocol, kurz SIP. Dabei handelt es sich um ein Netzprotokoll, das erforderlich ist um eine Kommunikationsverbindung aufzubauen.

"Bis Ende 2018 schaltet die Deutsche Telekom als größter deutscher Netzbetreiber das eigene ISDN-Netz ab. IP-Telefonie wird zum Standard der Telekommunikation."

Die ISDN-Abschaltung in Deutschland ist in vollem Gange und bedeutet einen weiteren Schub für die IP-Telefonie. Das hat seine Gründe: Für die Anbieter ist ein Zusammenschluss der verschiedenen Netze oder besser gesagt die Reduzierung auf nur ein Netz lukrativer und einfacher. Aber auch VoIP-Kunden profitieren von den Vorteilen: Telefonie wird ortsunabhängig, unkompliziert und effizient. Zu beachten ist allerdings, dass dadurch Ihre Internetverbindung einer höheren Belastung ausgesetzt ist. Sorgen Sie also für eine ausreichende Bandbreite und dadurch für eine stabile Internetverbindung, wenn Sie IP-Telefonie nutzen möchten.

Warum IP-Telefonie?

Klassische ISDN-Anschlüsse wird es in naher Zukunft nicht mehr geben. Die Deutsche Telekom arbeitet an der All-IP-Umstellung und wird bis Ende 2018 alle Ihre ISDN-Anschlüsse abgeschaltet haben. Eine Vielzahl von Telefonie-Kunden wird davon betroffen sein und spätestens, wenn andere Anbieter nachziehen, wird ISDN der Vergangenheit angehören. Die Folgen: Entweder eine Kündigung des Vertrages oder eine Änderung zu einem IP-Anschluss.

Daraus entstehen viele Vorteile. Auf der einen Hand profitieren die Anbieter von der Kostenersparnis die erfolgt, wenn nur ein Netz betrieben wird. Auf der anderen Hand entstehen auch für den Kunden mehr Möglichkeiten. Nicht nur Telefonie und Internet werden zusammengelegt, auch Fernsehen und Streaming können über das gleiche Netz bezogen werden. Das bedeutet: Mehr Funktionalität und höhere Flexibilität, also der Weg zu einem modernisierten Alltag.

Wie funktioniert ein Telefongespräch über VoIP?

Der erste Unterschied zur klassischen Telefonie zeigt sich sofort: Das Telefon wird nicht in die Telefondose gesteckt, sondern an einem Router angeschlossen. Naheliegend, wenn man bedenkt, dass ja über das Internet telefoniert wird. Ebenfalls üblich bei Diensten im Internet ist die Übertragung von in Datenpakete umgewandelten Sprachsignalen. Nachfolgend wird das genauer erläutert, indem wir zwischen Gesprächsaufbau/-übertragung und -abbau unterscheiden.

Gesprächsaufbau bei der Internettelefonie

Um eine Verbindung zwischen zwei oder mehr Teilnehmern über VoIP aufzubauen, erfordert es das Session Initiation Protocol (SIP). Es ist eines von mehreren Netzprotokollen, das VoIP möglich macht. Dies funktioniert über eine SIP-Adresse. Jeder Gesprächsteilnehmer hat eine solche SIP-Adresse. Vergleichbar ist diese mit dem Schema einer E-Mail-Adresse – z.B. sip:user@anbieterplattform.de. Das Netzprotokoll hat die Aufgabe Daten über geschützte Netze zu senden.

SIP-Gesprächsaufbau

Der Gesprächsaufbau funktioniert über die SIP-Server zweier Teilnehmer. Wenn Sie telefonieren möchten und eine Rufnummer eingeben, sendet Ihr Endgerät diese Rufnummer an seinen SIP-Server. Dieser leitet an den zu der Rufnummer gehörenden SIP-Server weiter. Im nächsten Schritt benachrichtigt der SIP-Server des Teilnehmers das entsprechende Endgerät. Nun klingelt das Telefon der Person, die Sie angerufen haben. Dieser Verbindungsaufbau erfolgt sehr schnell und ist in der Nutzung nicht von der klassischen Telefonie zu unterscheiden.

Gesprächsübertragung bei VoIP

Nach erfolgreicher Verbindung zwischen zwei Endgeräten ist die Arbeit der beiden SIP-Server vorerst getan. Das Gespräch findet nun zwischen den beiden Endgeräten statt. Damit Ihr Gesprächspartner Sie auch hören kann, werden die abgegebenen akustischen Signale verschlüsselt und in Datenpakete umgewandelt, die dann über das IP-Netz versendet werden. Beim anderen Teilnehmer angelangt, werden diese Datenpakete wieder entschlüsselt, damit dieser Sie auch verstehen kann.

Gesprächsabbau bei der IP-Telefonie

Der Gesprächsabbau erfolgt in etwa so wie der Gesprächsaufbau. Hier kommen wieder die SIP-Server der beiden Teilnehmer zum Einsatz. Wenn Sie auflegen, sendet Ihr Endgerät eine entsprechende Benachrichtigung an den SIP-Server. Dieser leitet die Nachricht an den SIP-Server des anderen Teilnehmers weiter, daraufhin erhält auch das Endgerät die Information, dass das Gespräch beendet wurde.

Welche Vorteile hat IP-Telefonie?

Alle Vorteile auf einen Blick:

  • Nicht nur die Anbieter profitieren von einer Kosteneinsparung durch das Zusammenschließen verschiedener Netzwerke. Als Kunde können viele Dienste gebündelt von einem Anbieter bezogen werden, wodurch die Verträge und auch Verbindungsentgelte in der Regel günstiger sind. Auch ist man bei der Wahl des Anbieters flexibel, sodass große Kosteneinsparungen durch einen Wechsel möglich sind.
  • Zusätzlich zu der Kostenersparnis, haben Kunden der IP-Telefonie Zugriff auf viel mehr Funktionen. Sie können beispielsweise Konferenzen mit viel mehr Personen halten, als es über ISDN möglich gewesen wäre. Auch Umstellungen und Erweiterungen sind in der Regel einfacher, kostengünstiger und schneller zu realisieren.
  • IP-Telefonie ist perfekt für einen aktiven und modernen Lebensstil. Sie ist standortunabhängig, das bedeutet sie können durch fehlende Hardware theoretisch von überall aus telefonieren, wo Sie einen Zugang zum Internet haben.
  • Durch bestimmt Applikationen können Sie auch mit Ihrem Smartphone oder PC telefonieren, Rufnummern müssen dem Gerät nur zugeordnet werden.
  • Die meisten VoIP Anbieter erlauben eine genaue Einsicht z.B. in gebuchte Rufnummern, Einzelverbindungsnachweise oder Flatrates durch die Nutzung eines Kundenkontos im Webbrowser. So bleibt der Vertrag durchsichtig, Sie behalten den Durchblick und können unnötige Kosten vermeiden.
  • In einem Unternehmen kann IP-Telefonie durch zahlreiche Funktionen sowohl die Kommunikation optimieren, als auch die Effizienz erhöhen.
  • Jede Person und jedes Unternehmen hat andere Bedürfnisse. IP-Telefonie kann individuell darauf zugeschnitten werden und überzeugt durch besondere Flexibilität.

Welche Unterschiede gibt es zwischen VoIP Anbietern?

Bei der Wahl eines Anbieters für Internettelefonie sollten Sie auf folgende Kriterien achten:

  • Keine lange Mindestvertragslaufzeit: So flexibel die IP-Telefonie ist, so flexibel sollte auch Ihr Vertrag sein. Viele VoIP Anbieter bieten kurze Vertragslaufzeiten und Kündigungsfristen. Zum Teil betragen Sie gerade mal einen Monat.
  • Niedrige Kosten: Vergleichen Sie die angebotenen Preise, achten Sie dabei allerdings auch auf mögliche Flatrates, die ebenfalls Kosten sparen können. Außerdem sollten Sie den angebotenen Funktionsumfang im Blick behalten, und nicht einfach den günstigsten Anbieter auswählen. Ein ausgewogenes Preis-Leistungsverhältnis sollte das Ziel sein.
  • Die richtigen Funktionen: Achten Sie vor Abschluss des Vertrages darauf, dass die angebotenen Funktionen alle Ihrer Bedürfnisse abdecken.
  • Einfache Einrichtung: Einen guten Anbieter erkennen Sie daran, dass Ihm viel an einer unkomplizierten Konfiguration gelegen ist. Ein gepflegter Hilfebereich und einfache Erklärungen deuten darauf hin.
  • Kundenservice: Bei Fragen sollte zu regelmäßigen Zeiten jemand erreichbar sein.
  • Sicherheit: Eine mehrfach georedundante Server-Infrastruktur erlaubt hohe Sicherheit bei der IP-Telefonie.

Welche technischen Voraussetzungen muss ich beachten?

Um IP-Telefonie in guter Sprachqualität und ohne Verbindungsabbrüche nutzen zu können, brauchen Sie eine stabile Internetverbindung. Am besten rechnen Sie vorher aus, wie hoch Ihre Bandbreite sein muss. Zur Orientierung: Ein Gespräch verbraucht im Up- und Downstream bis zu 150 kBit/s. Beachten Sie die Menge der möglichen parallel geführten Anrufe und vergessen Sie auch Ihre sonstige Internetnutzung nicht.

Bei 3 parallelen Gesprächen würden für die Telefonie bis zu 450 kBit/s im Up- und Downstream anfallen. Gerade bei der Upload-Geschwindigkeit, die bei ADSL-Anschlüssen meist deutlich unter der Download-Geschwindigkeit liegt, können Flaschenhälse entstehen, die die Sprachqualität beeinflussen können.

Damit die Qualität Ihrer Telefonie jedoch nicht an der geringen Bandbreite scheitert, lässt sich eine Priorisierung im Router vornehmen. Dies nennt man „Quality of Service (QoS)“. Hier wird im Router eingestellt, dass Voice Over IP immer bevorzugt behandelt wird und dafür andere Anwendungen gedrosselt werden. So behält die Internettelefonie stets die gleichbleibend gute Qualität.

Mit welchen Geräten ist IP-Telefonie möglich?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten VoIP zu nutzen:

  1. Über ein IP-Endgerät: Es gibt viele verschiedene Telefone für jeden Bedarf und in jeder Preisklasse, die für die Nutzung mit Internettelefonie geeignet sind. Diese finden analog zur Verbreitung von IP-Telefonie auch selbst eine große Verbreitung und sind optisch sowie im alltäglichen Gebrauch nicht von herkömmlichen Telefonen zu unterscheiden. Lediglich der LAN-Anschluss auf der Rückseite, worüber das Telefon mit dem Router verbunden wird, unterscheidet sich von analogen oder ISDN-Telefonen. Bekannte Hersteller von IP-Telefonen, die dank ihres Funktionsumfangs besonders in Unternehmen beliebt sind, sind zum Beispiel Yealink oder snom. Ein IP-Telefon ist die einfachste Art, über das Internet zu telefonieren und garantiert Ihnen eine saubere Sprachübermittlung und ist vor Einflüssen durch andere Anwendungen am meisten gefeit, da diese Hardware lediglich für die Telefonie genutzt wird.
  2. Über ein analoges Endgerät: Mit speziellen Adaptern können analoge Telefone VoIP-fähig gemacht werden. Hier übernimmt der Adapter dann die Aufgabe, Sprachsignale in Datenpakete umzuwandeln und zu übertragen. Von der Überbrückung mit Adaptern ist jedoch abzuraten, da eine Kommunikation zwischen verschiedenen Technologien stattfinden muss, die eine nicht zu verachtende Fehleranfälligkeit besitzt. Außerdem können Funktionen, die ein VoIP Provider anbietet, oft nicht abgebildet werden. IP-Telefone gibt es für jeden Geldbeutel und da auch VoIP-Adapter einen gewissen Preis in der Anschaffung haben, ist ein Neukauf lohnenswerter.
  3. Über Ihren PC oder Ihr Smartphone: Spezielle Applikationen, wie zum Beispiel das Softphone Zoiper, ermöglichen es einen PC oder ein Smartphone zu integrieren. So können Sie auch mobil über Ihre Festnetztelefonnummer erreichbar sein und Anrufe tätigen. Sind Sie jedoch für Ihr Unternehmen auf die Erreichbarkeit angewiesen, so zeigt Telefonie-Software doch einige Grenzen auf: Durch die möglichen Interferenzen von Apps, anderer Software, Firewalls oder auch Treibern, können Softphones und Call-Apps den Dienst nicht so stabil aufrechterhalten, wie es in einigen Unternehmen erforderlich ist. Daher empfehlen wir Ihnen immer die Nutzung eines festen IP-Telefons.

Welche Probleme können mit IP-Telefonie auftreten?

Vor dem Umstieg auf VoIP sollten auch mögliche Hürden in Betracht gezogen werden. Ein Nachteil von VoIP im Gegensatz zu ISDN: Bei einem Stromausfall wird Ihr Router nicht mehr mit Strom versorgt. Sie können deshalb auch nicht telefonieren. Stromausfälle in Deutschland sind zwar sehr selten, wer aber trotzdem kein Risiko eingehen möchte, sollte vorsorgen. Einfachste Alternative: Das Smartphone. Wer kein Smartphone besitzt, kann sich günstig ein USV-System (unterbrechungsfreie Stromversorgung) zulegen. Näheres dazu lesen Sie auch in unserem Blog.

Wenn Sie sich vor Kurzem für die Neuanschaffung einer ISDN-Telefonanlage entschiedenen und eine große Summe investiert haben, ist die Umstellung auf VoIP natürlich ärgerlich. Schließlich ist diese so nicht mehr langfristig nutzbar. Einige Modelle können jedoch nachgerüstet werden und sind dann trotzdem kompatibel mit VoIP. Bei Telefonen verhält es sich genauso. Eine langfristige Lösung ist aber nur die komplette Migration auf VoIP mit IP-fähiger Hardware.

IP-Telefonie in Unternehmen

VoIP kann auch in Unternehmen genutzt werden. Durch zahlreiche Funktionen und hohe Flexibilität können Unternehmen auf verschiedene Weisen optimiert werden. IP-Telefonie erlaubt eine bessere und gewinnbringendere Zusammenarbeit. Faxe mit dem Smartphone versenden, Anrufe für Kollegen annehmen, Konferenzen mit zahlreichen Teilnehmern führen, Sprachdialogsysteme einrichten usw. Die Liste der Funktionen und Vorteile ist lang. Die Standortunabhängigkeit revolutioniert das Home Office und Dienstreisen. Es gibt zwei Möglichkeiten IP-Telefonie in einem Unternehmen zu nutzen:

1. SIP-Trunk

VoIP-fähige, stationäre Telefonanlagen können per SIP-Trunking an das Internet angeschlossen werden und die Telefonie über IP realisiert werden. Dabei bietet der SIP-Trunk lediglich den Anschluss an das Telefonnetz via Internet an, die Funktionen, Durchwahlen etc. werden über die eigentliche Telefonanlage abgedeckt. Diese hat somit ein paar Vorteile weniger, als eine Cloud-Telefonanlage, denn sie muss weiterhin gewartet werden und vermisst einige Funktionen, wie beispielsweise das Faxen per App, die Standortunabhängigkeit usw. Ist die Investition in eine neue Telefonanlage noch nicht lange her, so ist ein SIP-Trunk jedoch eine gute Option für die ALL-IP-Migration.

2. Cloud-Telefonanlage

Eine Cloud-Telefonanlage ist die optimale Lösung für Unternehmen egal welcher Größe. Egal ob Startups oder größere Unternehmen, eine Cloud-Telefonanlage ist flexibel und passt sich der Größe des Unternehmens an. Sie macht analoge Telefonanlagen überflüssig. Je nach Wunsch können Nummern aktiviert oder deaktiviert werden, alle Optionen sind jederzeit über ein Kundenkonto einsehbar. Die Konfiguration ist unkompliziert, Einstellungen lassen sich jederzeit und von überall aus ändern. Einzige Voraussetzung auch hier wieder: Ein Internetanschluss.